Warum Speicher keine Lösung sind

Warum Speicher keine Lösung sind

Konfrontiert man Windkraftbefürworter mit belegten Tatsachen wie

kommt stereotyp: "Daher muss man Speicher bauen, dann sind alle diese Probleme gelöst." D.h. Speicher werden als Komplettlösung verkauft.

Wäre schön - ist aber technisch und ökonomisch nicht machbar. Speicher können eine kleine Teillösung sein, mehr nicht.

Physik

Windkraftbefürworter vermischen Energie und Leistung: 1 kW über 1 Stunde sind 1 kWh. Windkraftbefürworter rechnen gerne nur in kW, aber nicht in kWh.

Nehmen wir als Beispiel die Stadt Rottweil (BW). Lokale Stromdaten sind seit Jahren nicht mehr verfügbar - übrigens genau seit dem Zeitpunkt, seitdem die Grünen das Thema Windkraft in Baden-Württemberg intensiv treiben.  Belastbare Daten aus der kommunalen Energie- und CO₂-Bilanz - die aktuellsten umfassenden Verbrauchsdaten beziehen sich auf das Jahr 2019 (rottweil-inside.de):

Gesamtstromverbrauch der Stadt Rottweil: 128.855 MWh pro Jahr (= 128,9 GWh/Jahr), entspricht 128.855.000 kWh/Jahr. ). Umgerechnet ergibt dies:

  • pro Tag ca. 353 MWh
  • pro Stunde ca. 14,7 MWh ➡️ also 14,7 MWh Dauerlast.

Um also einen Tag (24 h) Dunkelflaute auszugleichen bräuchte es 353 MWh aus Speichern. 

Der Strombedarf der Stadt Rottweil könnte heutzutage niedriger liegen (>Link<), aber da die Windkraft-Befürworter behaupten, der Strombedarf steige permanent und künftig sogar extrem, lassen wir es mal bei diesem Wert.

Kostenseite und Materialseite

🔋🪫Für Utility-Batteriesysteme liegt die realistische Bandbreite grob bei 160 bis 300 Euro pro kWh. Damit landen wir bei Rottweil ungefähr bei folgenden Speicherkosten:

  • 1 Stunde Versorgung aus Speichern: ca. 2,35 Mio. € bis ca. 4,4 Mio. €  
  • 24 Stunden Versorgung aus Speichern: ca. 56,48 Mio. € bis ca. 105,9 Mio. €
  • 72 Stunden Versorgung aus Speichern: ca. 170 Mio. € bis 317,7 Mio. €

Drei Tage Dunkelflaute sind im Winter keine Seltenheit. Und wir reden nur von der Stadt Rottweil, nicht vom Landkreis Rottweil.

🫰💸💰Hinzu kommen laufende Kosten für Betrieb, Wartung und Instandhaltung (bspw. Austausch kaputter Speicherelemente) in zig-Millionenhöhe pro Jahr.

Wer glaubt, dass eine Speicherung mit Wasserstoff billiger ist, der sei enttäuscht - das wäre noch teurer. 

Jetzt zur Materialseite. Plausible LFP-Intensitäten je kWh liegen etwa bei:

  • 0,12 bis 0,18 kg Lithium  
  • 1,4 bis 1,8 kg Graphit  
  • 0,5 bis 0,8 kg Kupfer

Für einen 7-Tage-Speicher für die Stadt Rottweil würde das bedeuten:

  • 296.352 kg bis 444.528 kgLithium  
  • 3,46 Mio. kg bis 4,45 Mio. kg Graphit  
  • 1,24 bis 1,98 Mio. kg Kupfer

Wir erkennen an den Mengen: Eine flächendeckende Batterieversorgung ist schon materialmäßig nicht machbar.  

Das Hauptproblem dabei ist:

Man braucht ein Vielfaches des oben berechneten Speichers, wenn man den gesamten Strom aus Windkraft "auffangen" und später verbrauchen will. 

Denn: 

  • 🪫Speicher sind nicht immer genau dann leer, wenn man es gerne hätte.
  • 🔋Speicher sind nicht immer genau dann voll, wenn man es gerne hätte.
    Denn der Füllstand hängt davon ab, wieviel Strom vor einer Dunkelflaute durch EE produziert wurde.
    Windkraftbefürworter versuchen aber zu suggerieren, dass Speicher immer genau dann aufnahme- und abgabefähig sind, wenn es der Wetterlage entspricht. 
  • Ein zu 50% gefüllter Speicher konkurriert mit Windkraftanlagen als Stromanbieter zu 50%. 
  • Ein gefüllter Speicher konkurriert mit produzierenden Windkraftanlagen als Anbieter zu 100% und treibt den Preis an Strombörsen zusätzlich nach unten, was Windkraftanlagen noch unwirtschaftlicher macht.

Hinzukommt das faktische Problem, dass die Erzeugung (Ausbau mit Windkraftanlagen) dem Speicherausbau schon uneinholbar enteilt ist.

Die erforderlichen Investitionen für Speicher als Komplettlösung würden Strom für die BürgerInnen unbezahlbar machen. Laut Angaben der RWTH Aachen gibt es aktuell nur für rd. 1.697 MWh Groß- und Gewerbespeicher in Deutschland. Aber allein ersten Halbjahr 2024 wurden in Deutschland über eine halbe Million neue Solaranlagen mit rund 7,6 GW Leistung in Betrieb genommen.

Es ist grundsätzlich eine gute Idee : Neue Gaskraftwerke, die später mit Wasserstoff betrieben werden sollen, sollen künftig zur Absicherung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne als  „Backups“ bereitstehen – in Zeiten von „Dunkelflauten“, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint. Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, zeigt jedoch berechtigte Zweifel auf, dass die Regierungsziele bei Kraftwerken erreichbar sind (> Link):

  • Der Bedarf an neuen, regelbaren Gaskraftwerkskapazitäten sei weit größer als das, was aktuell von der Regierung geplant werde, sagte Russwurm.
  • Die politischen Rahmenbedingungen seien nicht geklärt. 
  • Die Finanzierung sei nicht geklärt. 
  • Es komme die Frage hinzu: „Können wir die Gaskraftwerke überhaupt bauen? Ein richtig großes, wasserstofffähiges Kraftwerk gibt es bisher nirgendwo“, sagte Russwurm.
    In Diskussionen mit Herstellern, mit den Ingenieurinnen und Ingenieuren, die daran arbeiten, höre ich: Wir würden liebend gern eines bauen, allerdings dort, wo eine Wasserstoffpipeline ist, die auch die notwendigen Mengen an Wasserstoff liefert“, sagte der BDI-Präsident. Es müsse erst einmal ein Kraftwerk gebaut werden, um den Schritt vom „Komponentenprüfstand“ in die Praxis zu tun: „Das ist bis heute noch nicht passiert.
  • Die Realisierung des vorgezogenen Kohleausstiegs (für das Rheinische Revier ist dieser um acht Jahre auf 2030 vorgezogen worden) ist dadurch fraglich.

"Aber in Norwegen funktioniert es - das ist der Beweis!"
...hört man oft von Befürwortern des ungezügelten Windkraftausbaus. Und es ist richtig, dass es in Norwegen funktioniert. Mit 90% Wasserkraft. Fjorde, Flüsse und viele hochgelegene Stauseen ermöglichen das. Das benachbarte Schweden kommt bspw. nicht ohne 30% Kernenergie (zumindest CO2-arm...) aus. In Deutschland: undenkbar.

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