"Strom wird billiger"

Das ist derzeit einer der zentralen Zielkonflikte der Energiewende:
Der Börsenstrompreis sinkt durch viel Wind- und Solarstrom häufig stark, gleichzeitig steigen dadurch oft die staatlichen Förderkosten. Denn viele Anlagen erhalten eine garantierte Vergütung oder Marktprämie. Wenn der Marktpreis niedrig ist, muss der Staat die Differenz ausgleichen.

Die kurze Antwort lautet:

  • 😊Für Stromkunden sinken die reinen Energiepreise tendenziell.
  • 🙁Für Steuerzahler steigen aber die staatlichen Zuschüsse zum EEG-System wieder deutlich an.
  • Niedrigeren Strompreise werden also tatsächlich „mit Steuergeld erkauft“.

Wie funktioniert das genau?

Früher wurde die EEG-Förderung über die EEG-Umlage auf den Strompreis bezahlt. Seit 2023 wird sie aus dem Bundeshaushalt bzw. dem Klima- und Transformationsfonds finanziert. Die Streichung der EEG-Umlage bedeutete eine Strompreisreduktion, die nichts mit der Produktion von "EE" zu tun hat. 

Das Prinzip:

  1. Betreiber von Wind- und Solaranlagen erhalten garantierte Vergütungen.
  2. Der erzeugte Strom wird an der Börse verkauft.
  3. Liegt der Börsenpreis unter der garantierten Vergütung, zahlt der Staat die Differenz.

Je niedriger also der Börsenpreis, desto höher die staatliche Zuschusslast.

Wie hoch sind diese Kosten derzeit?

Für 2024 und 2025 liegen die EEG-Förderkosten ungefähr in dieser Größenordnung:

  • 2024 EEG-/Bundeszuschüsse ca. 18–19 Mrd. €
  • 2025 EEG-/Bundeszuschüsse ca. 18,5 Mrd. € 

Achtung:

  • In Zeiten hoher Strompreise (2022) waren die EEG-Kosten zeitweise sehr niedrig oder sogar negativ.
  • Mit fallenden Börsenpreisen steigen sie wieder stark an.

Was bedeutet das pro Steuerzahler? 🙍‍♂️🙍‍♀️

Deutschland hat ungefähr:

  • 84 Mio. Einwohner
  • rund 46 Mio. Einkommensteuerzahler

Rechnet man grob:

18 Mrd. € EEG-Kosten ÷ 84 Mio. Einwohner
214 € pro Einwohner und Jahr

oder:

18 Mrd. € ÷ 46 Mio. Steuerzahler
390 € pro Steuerzahler und Jahr (2026 liegen wir voraussichtlich bei 450 € pro Steuerzahler).

Das ist natürlich nur eine grobe volkswirtschaftliche Durchschnittsrechnung – finanziert wird es letztlich über Steuern, Staatsverschuldung und den Klima- und Transformationsfonds.

Welche Rolle spielen negative Strompreise?

Negative Strompreise sind ein besonders teurer Spezialfall.

Sie entstehen, wenn:

  • sehr viel Wind- und Solarstrom produziert wird,
  • aber zu wenig Nachfrage vorhanden ist,
  • und Speicher/Netze fehlen.

Dann zahlen Stromverkäufer teilweise sogar Geld dafür, dass jemand den Strom abnimmt.

⏱️Die Zahl negativer Preisstunden steigt deutlich:

  • 2023: ca. 260 Stunden
  • 2024: ca. 425 Stunden
  • 2025: 525 - 573 Stunden (Angaben variieren)
  • 2026 bis Mitte Mai bereits 198 Stunden. 

Werden Anlagen dann trotzdem gefördert?

Grundsätzlich ja, nur teilweise nicht mehr – das EEG wurde verschärft - für viele neue größere Anlagen gilt inzwischen: Bei längeren negativen Strompreisen entfällt die Marktprämie zeitweise.

Aber:

  • ältere Anlagen behalten oft weiter ihre Förderung,
  • kleine PV-Anlagen sind vielfach ausgenommen,
  • und viele Fördermechanismen wirken zeitverzögert.

Daher entstehen weiterhin erhebliche Kosten.

Sinken die Strompreise für Verbraucher dadurch wirklich?

Teilweise – aber nicht vollständig.

Denn der Haushaltsstrompreis besteht aus:

  1. Stromerzeugung/Börsenpreis ca. 30–40 %
  2. Netzentgelte - großer Anteil
  3. Steuern/Umlagen - großer Anteil

Die reinen Börsenpreise sinken tatsächlich häufig durch erneuerbare Energien („Merit-Order-Effekt“). Gleichzeitig steigen aber:

  • Netzausbaukosten,
  • Redispatchkosten,
  • Speicherbedarf,
  • Reservekraftwerke,
  • EEG-Zuschüsse aus Steuermitteln.

‼️Redispatch-Kosten lagen 2024 beispielsweise bei rund 2,8 Mrd. €. 

Der zentrale ökonomische Zielkonflikt

Die aktuelle Situation kann man vereinfacht so beschreiben:

  • Niedrige Börsenstrompreise 🆚 Höhere EEG-Zuschüsse
  • Weniger CO₂ 🆚 Hohe Netzkosten
  • Günstiger Strom bei Sonne/Wind 🆚Häufige negative Preise
  • Geringere fossile Importe 🆚 Hohe Systemkosten

Deshalb sprechen Kritiker davon, dass die niedrigen Strompreise teilweise „subventioniert“ seien, während Befürworter argumentieren:

  • Die Alternative (fossile Importe) wäre langfristig teurer (aber das ist nicht die einzige Alternative),
  • und mit mehr Speichern, Netzen und Flexibilität würden die Zusatzkosten künftig sinken (die damit verbundenen immensen Kosten werden ignoriert).

Eine Frage vorab: 
Was wollen wir? Wald und ein intaktes Naherholungsgebiet? Das Weltklima retten? Oder geht es eigentlich doch eher nur um's Geld: billigen Strom und eine prall gefüllte Gemeindekasse?

Vier Themen müssen unterschieden werden: 
a) Die Entwicklung des reinen Strompreises für Endkunden.
b) Die Entwicklung der Netzentgelte.
c) Belastungen, die vom Strom-Endkunden auf den Steuerzahler umgeschichtet wurden.  
d) Die Entwicklung von Steuern und Abgaben auf Strom für Endkunden.

Lesen Sie und entscheiden Sie selbst, ob sie eher davon ausgehen, dass die Strompreise für Endverbraucher künftig durch erneuerbare Energien sinken oder eher steigen.

a) Entwicklung des reinen Strompreises
Kurzfristig ist Strom für den Endkunden günstiger geworden.

  • Gegenüber dem Allzeithoch im ersten Quartal 2023 ist Strom für Neukunden günstiger geworden (immer eine Frage, mit was man vergleicht). Dazu beigetragen haben die Strompreisbremse und sinkende Preise im Großhandel und ein gesunkener Gaspreis.  Inzwischen sind die Preise bei Neuabschluss wieder gesunken – beim Strom deutlicher als beim Gas –, sie liegen aber weiterhin über dem Vorkrisenniveau.
  • Sie wollen mit einem "dynamischen Tarif" von billigem Strom aus Windkraft und Solar profitieren? Das dürfte nach hinten losgehen, bei Dunkelflaute - gerade im Winter, wo sie mehr Strom brauchen sind diese wahrscheinlich - legen sie richtig drauf: 15.12.2024 (ntv) "Vergleichsportal rechnet nach Dynamische Strompreise zahlen sich nicht aus."

Langfristig rechnen Experten mit einem Preisanstieg: 

b) Entwicklung Netzenzgelte
HELLSEHERISCHE FÄHIGKEITEN BEIM BÜRGERMEISTER UND DEN GEMEINDERÄTEN?
"Auch das ist ein Grund, aus dem der Gemeinderat einstimmig beschlossen hat, auf Windkraft zu setzen" (vgl. Screenshot unten). Jede Irreführung ist recht, um die Bürger hinter die (abzuholzende) Fichte zu führen. Mal kurz nachgedacht: Der Sulzer Gemeinderat hat diese Änderung der Verteilung der Netzentgelte also in seiner hellseherischen Fähigkeit bereits 2023 kommen sehen. Wie das denn? Habeck ist damit erst kurz vor den Wahlen in Sachsen und Thüringen im August 2024 herausgerückt, vorher war das Vorhaben völlig unbekannt.

MEHR INVESTMENT IN WINDKRAFT, EGAL WO, FÜHRT ZU HÖHEREN NETZENGELTEN UND ZWAR KÜNFTIG ÜBERALL IN GLEICHER HÖHE!
Bei der angekündigten Reform soll es darum gehen, die Netzentgelte gerechter zu verteilen. Im Norden und Osten bläst der Wind stärker und daher wird dort mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, die Kosten für Ausbau und Instandhaltung der Infrastruktur sind entsprechend höher und damit die Netzentgelte.
Aufgepasst: Das heißt, die Netzentgelte steigen mit steigendem Investment in erneuerbare Energien. Jetzt will die Stadt Sulz am Neckar zu noch mehr Investment beitragen, in der Hoffnung dass das zu geringeren Strompreisen für die Bürger in Sulz am Neckar führt? Nein, je mehr investiert wird, desto mehr zahlen unterm Strich alle - künftig aber gleichmäßig.

DIE IDEE IST GERECHT
Im Norden und Osten ist die Bevölkerungsdichte geringer. Mit der geplanten Neuregelung sollen die Mehrkosten, die durch den Ausbau der erneuerbaren Energien entstehen, gerechter verteilt und regionale Unterschiede ausgeglichen werden. Diese Reform ist gerecht, gut und billig - wer die potthässlichen und potenziell gesundheitsschädlichen Windkraftanlagen vor Ort aushalten muss, soll nicht auch noch höhere Netzentgelte zahlen!

ÜBER WIEVIEL REDEN WIR? 
Wir reden betreffend Sulz am Neckar lediglich über 1 bis max. 2 Cent Unterschied (vgl. Grafik der Bundesnetzagentur). D.h. das Netzentgelt wird in unserem Bereich 0,5 Cent bis maximal 1 Cent pro kWh steigen und im Norden und Osten 0,5 Cent bis max. 1 Cent günstiger.

FAZIT: Der Strom wird durch das Vorhaben der Bundesnetzagentur (wenn es umgesetzt wird) bei uns maximal 1 Cent teurer und jede weitere Investition in Windkraft erhöht die Nutzungsentgelt dann gleichmäßig für alle Bundesbürger, unabhängig davon, wo die Windkraftanalagen gebaut werden.  Es ist also eine Irreführung der Stadtverwaltung Sulz a.N., wenn sie nun suggeriert, durch die im Wald zu bauenden Windkraftanlagen würde der Strom für die Bürger günstiger.  
 

c) Umschichtung vom Stromkunden auf den Steuerzahler
Was wir als Stromkunden nicht ausgleichen, gleichen wir als Steuerzahler aus. Das ist die Sozialisierung der Subventionen für Erneuerbare. 
18.10.2024 (NZZ): "Deutsche Stromkunden profitieren davon, dass die jüngst stark gestiegene EEG-Umlage nun vom Steuerzahler finanziert werden muss. Mit EEG-Umlage wäre Strom für private Haushalte und Industriebetriebe teurer."
14.08.2024: Ökostrom kostet Steuerzahler so viel wie nie.  
07.08.2024 (Merkur): Überschuss an erneuerbarem Strom in Deutschland – auf Kosten der Steuerzahler und der Endverbraucher
 

d) Entwicklung von Steuern und Abgaben auf Strom für den Endkunden
Wie versucht die Bundesregierung nun die Subventionen für die Windkraft auch beim Stromkunden wieder reinzuholen? 
Nach Wegfall der EEG-Umlage für Endverbraucher, steigen die Abgaben wieder kontinuierlich an (vgl. Grafik unten).

Für Endkunden beträgt die Stromumlage insgesamt 1,574 ct/ kWh. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Erhöhung um 0,209 ct/ kWh bzw. 15,31 %. Die Stromumlagen machen zusammen mit weiteren Abgaben und der Stromsteuer etwa ein Drittel des Strompreises aus. Die Umlagen und Abgaben betragen 2024 insgesamt 3,624 ct/ kWh und sind damit um 6,12 % zum Vorjahr gestiegen. [> Quelle]

 

EMPFEHLUNG! 30.04.2023: Plusminus SWR - Windkraft: Wie teuer wird der Ausbau für die Stromerzeugung? > Video

 

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